Was heißt Liturgie?

 

 

Das Wort Liturgie kommt aus der (alt-)griechischen Sprache und ist zusammengesetzt aus „leiton“ und „ergon“, was soviel bedeutet wie „Dienst am Volk“ oder „öffentliche Dienstleistung“.

In der Feier der Liturgie kommt dieser „Dienst“ in zweifacher Weise zum Ausdruck. Liturgie ist Gottes Dienst an den Menschen durch Christus in Wort und Sakrament. Gott wird zuerst heilbringend tätig am Menschen: In der Feier der Liturgie hört der Mensch Gottes Wort und in den heiligen, sakramentalen Zeichen wird Christus unter den Menschen selber gegenwärtig.

In weiterer Hinsicht ist Liturgie „Dienst“ des Menschen im Sinne eines Dienstes an und für Gott. Dies geschieht in der lobpreisenden Antwort des Menschen auf Gottes Wort im Gebet und in der Danksagung für Gottes heilbringende Zuwendung. Der Begriff des „Kultes“ (von lateinisch: cultus = der Gottheit geschuldeter Dienst) hat vornehmlich die zuletzt genannte Sicht des Gottesdienstes im Blick.

So bezeichnet Liturgie „die öffentliche Versammlung der Gemeinde, in der Christus durch seinen Heiligen Geist in Verkündigung und sakramentalen Zeichen den Gläubigen Anteil gewährt an seinem Pascha-Mysterium (= Geheimnis von Tod und Auferstehung) und dem erlösten Menschen die dankbar preisende Antwort an den Vater ermöglicht“ (R. Berger, Neues pastoralliturgisches Handlexikon, Freiburg i. Br. 1999, S.309f).

Über die Gegenwart Christi in der Feier der Liturgie sagt das 2. Vatikanische Konzil in der Liturgiekonstitution (1963):

  • „Gegenwärtig ist er im Opfer der Messe sowohl in der Person dessen, der den priesterlichen Dienst vollzieht – denn ‚derselbe bringt das Opfer dar durch den Dienst der Priester, der sich einst am Kreuz dargebracht hat’ (Konzil von Trient) -, wie vor allem unter den eucharistischen Gestalten. Gegenwärtig ist er mit seiner Kraft in den Sakramenten, so dass, wenn immer einer tauft, Christus selber tauft (Augustinus). Gegenwärtig ist er in seinem Wort, da er selbst spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden. Gegenwärtig ist er schließlich, wenn die Kirche betet und singt, er, der versprochen hat: ‚Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen’ (Mt 18,20)“ (Art.7).

Die Feier der Liturgie ist das zentrale Ereignis des kirchlichen Lebens:

  • „Dennoch ist die Liturgie der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt“ (Art.10).

 Die Verantwortung für die Leitung der Liturgie liegt beim Diözesanbischof; entsprechend den liturgischen Bestimmungen sind für die Leitung gottesdienstlicher Feiern auch die Priester und die Diakone beauftragt. Der Bischof kann darüber hinaus Frauen und Männern aus den Pfarrgemeinden und seelsorgerlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Leitung von liturgischen Feiern (Wort-Gottes-Feier, Begräbnis ...) übertragen. Liturgie ist wesentlich Feier der ganzen Gemeinde, in der neben der Leitung Frauen und Männer in vielfältigen Diensten (Lektoren, Kantoren, Schola, Chor, Kommunionhelfer, Ministranten ...) mitwirken. Die Gemeinde ist aufgerufen zur „tätigen Teilnahme“ (Liturgiekonstitution, Art.26-32), die die äußere und innere Teilnahme meint, wobei jeder all das, aber auch nur das tut, „was ihm aus der Natur der Sache und gemäß den liturgischen Regeln zukommt“ (Art.28).

Zur Liturgie der Kirche gehören die Feiern der Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Trauung, Weihe [=Ordination] der Bischöfe, Priester und Diakone). Sie umfasst auch die Tagzeitenliturgie, die Begräbnisfeier, Segnungen und die selbständige Verkündigung des Wortes Gottes mit Lob, Dank und Bitte in einer „Wort-Gottes-Feier“ (Wortgottesdienst). Als in die liturgische Ordnung der Kirche einbezogen gelten das Rosenkranzgebet, Andachten, Prozessionen und weitere regional gebräuchliche Feierformen. Bestimmte Feiern werden vom Bischof für seine Diözese geordnet (Diözesanliturgie, vgl. Liturgiekonstitution, Art.13).

Otto Mittermeier